Albert-Schweitzer-Realschule
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Eine Heimat für Abebi

Premierenbericht

 

So hat sich Klassenlehrerin Frau Weber diese Schulstunde nicht vorgestellt: Eigentlich sollte Abebi, die neue Schülerin aus Afrika, in der Klasse ihr Heimatland Senegal vorstellen. Doch statt von bunten Kleidern und tanzenden Menschen zu erzählen, berichtet sie von den schwierigen Lebensbedingungen, die ihre Familie dazu getrieben haben in Deutschland Asyl zu beantragen. Davon bekommt das Mädchen Heimweh und verlässt traurig den Unterricht.

 

Abebi ist die Hauptfigur in dem Musical "Eine Heimat für Abebi", das die ASR Bruchsal gestern und vorgestern im Rahmen der Heimattage im Bürgerzentrum aufführte. Rund 130 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 aus sechs Arbeitsgemeinschaften (AGs) hatten dafür Beiträge einstudiert, angeleitet von einem Team aus sechs Lehrerinnen und Lehrern. Um die Technik kümmerte sich ebenfalls eine AG, Werbung und Catering übernahmen die 8. Klassen im Rahmen eines Projektes.

 

Das Musical thematisiert neben dem Schicksal von Flüchtlingen in Deutschland auch die Integration von Ausländern unterschiedlicher Herkunft, von der Asylbewerberin bis zum EU-Arbeitsmigranten. Dabei nimmt es die Vorurteile gegeneinander und die Befindlichkeiten der einzelnen Gruppen aufs Korn. So beobachtet etwa der serbische Hausmeister seine Nachbarn, ob sie auch korrekt den Müll trennen, und gerät in Streit mit dem Türken vom 3. Stock, der sich über seine Korrektheit lustig macht. Worauf die Griechin ihnen zeigt, wie man Sirtaki tanzt, und so die beiden Streithähne wieder miteinander versöhnt. Auch die deutschnational eingestellte Nachbarin muss jetzt zugeben, dass nicht alles schlecht ist, was aus dem Ausland kommt.

 

Ihr Sohn Franz wiederum schleudert Abebi die ausländerfeindlichen Parolen entgegen, die er von seinem Vater gehört hat. In Dimitrios dagegen, dem griechischen Klassenkameraden, findet sie einen Menschen, der sie versteht. "Zuhause ist da, wo deine Freunde sind", gespielt von der Junior High Band, will er ihr zeigen. "Stay with me" von Sam Smith erklingt, als Dimitrios klar wird, wie viel ihm Abebi bedeutet und dass sie wegen ihrer verschiedenen Kulturen Welten trennen, obwohl sie doch nebenan wohnt. Er nimmt sie mit in den Jugendclub, und über die Musik kommen sie sich näher.

 

Der Geschichte der Rock- und Popmusik ist ein weiterer Erzählstrang gewidmet: Im Unterricht erfährt die Klasse, dass deren Ursprung in Afrika liegt, und die Ensembles greifen die Informationen auf: Der Unterstufenchor singt den Kanon Bele Mama, die Tanz-AG zeigt anschließend einen Afrikanischen Tanz. Man kann sich nicht oft genug ins Gedächtnis rufen, dass es ohne den Blues mit seinem Ursprung in der Unterdrückung der Schwarzen nie zu Hard-Rock-Bands wie Kiss (Phlansh covert "Rock'n'Roll all Night") gekommen wäre, ebenso wie Hip-Hop aus der Kultur der Afroamerikaner stammt - "CU when you get there" verarbeitet zudem den Kanon von Johann Pachelbel, auf die Bühne gebracht in einer Version für die Band Phlansh, den Jazz- und Pop-Chor und ein Streichertrio. Ohne sie hätte es auch nie die Erfolge deutscher Bands gegeben, die mit "Lemon Tree" von Foolsgarden und "MFG" von den Fantastischen Vier lebendig werden.

 

Am Ende des Stücks gibt es kein Happy End: Abebis Familie wird zurück in den Senegal abgeschoben, weil die Aufenthaltsgenehmigung schon lange abgelaufen war. Dort ist nun wieder ihre Heimat. Dimitrios und Abebi haben noch gelegentlich per E-Mail-Mail Kontakt und schicken sich gegenseitig ihre Lieblingsmusik. Und in Bruchsal zeigen sich kleine Veränderungen: Die Menschen sind sich näher gekommen und sogar Franz ist geläutert, entschuldigt sich bei Dimitrios für sein Verhalten Abebi gegenüber. Denn, so drückt es ihre Mitschülerin Fatma aus: Man kann nicht gegen Ausländer sein und sich gleichzeitig bei der Döner-Bude anstellen.

 

Die schauspielerische und musikalische Leistung rissen das Publikum von Anfang mit. Immer wieder gab es Szenenapplaus und nach dem Schlusslied "Nehmt Abschied, Brüder" Standing Ovations für alle. Bei der Aufführung aus einem Guss zeigten alle Beteiligten, was in monatelanger Probenarbeit entstanden ist. So bedankte sich nicht nur Schulleiter Hans-Jörg Betz für diese großartige Leistung. Auch zwei Schülerinnen drückten stellvertretend ihren Lehrerinnen und Lehrern gegenüber aus, wie sehr sie deren Einsatz schätzen. Dass die Arbeit in den AGs das Zusammengehörigkeitsgefühl in der ganzen Schule stärkt, zeigte der spontane Sprechchor "ASR", den die Akteure als Schlusswort anstimmten.

 

Sabine Staub-Kollera

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